Der gestrige Abend im Kaufleuten Zürich stand ganz im Zeichen des Blues – roh, ehrlich und zutiefst bewegend. Mit Christone “Kingfish” Ingram gastierte einer der derzeit spannendsten jungen Vertreter der US-amerikanischen Blues-Szene im Rahmen seiner Welttournee in der Limmatstadt – und verwandelte den traditionsreichen Konzertsaal in ein vibrierendes Stück Mississippi.
Gerade einmal 26 Jahre alt, doch mit der Seele eines alten Bluesmeisters, zeigte der aus Clarksdale, Mississippi stammende Gitarrist und Sänger, warum er längst als Hoffnungsträger und Erneuerer des Genres gilt. Geboren nur wenige Meilen von der legendären Kreuzung der Highways 61 und 49 entfernt – dem mythischen Geburtsort des Blues – trägt Kingfish das Erbe seiner Heimat tief in sich. Im Delta Blues Museum geschult, entwickelte er früh seinen unverkennbaren Stil, geprägt von Einflüssen grosser Namen wie B.B. King, Muddy Waters, Freddie und Albert King, aber auch von Jimi Hendrix und Prince.
Vom ersten Ton an zog Kingfish das Publikum in seinen Bann. Mit atemberaubender Präzision liess er seine Gitarre singen, weinen und schreien – stets begleitet von seiner warmen, ausdrucksstarken Stimme. Die Mischung aus traditionellem Delta-Blues und modernen, kraftvollen Rockelementen entfaltete eine Energie, die das gesamte Kaufleuten erfüllte.
Zwischen gefühlvollen Balladen und explosiven Soli demonstrierte Ingram eine emotionale Tiefe, die weit über sein junges Alter hinausgeht. Sein Spiel erzählt Geschichten von Schmerz, Hoffnung und Leidenschaft – und genau das machte den Abend so besonders. Der Saal lauschte gebannt, jubelte, klatschte mit – Blues zum Sehen, Hören und Fühlen.
«Ob Headliner oder Support – an diesem Abend wurde klar:
Blues muss man nicht nur hören. Man muss ihn sehen, fühlen und erleben.»
Starker Auftakt von Félix Rabin (Support Act)
Eröffnet wurde der Abend vom Neuenburger Gitarristen und Sänger Félix Rabin, der bereits 2015 beim Montreux Jazz Festival auf sich aufmerksam machte. In seinem rund 30-minütigen Set nahm Rabin das Publikum mit auf eine musikalische Reise durch packende Improvisationen. Mit einer beeindruckenden Mischung aus schweren Bluesakkorden und einer Prise Rock-Flavor bewies er, dass auch die junge europäische Szene den Blues lebendig hält.
Sein Auftritt war mehr als nur eine Einstimmung – er war ein Statement: Blues lebt weiter, in neuen Formen, getragen von einer Generation, die das Erbe ehrt und zugleich mutig in die Zukunft blickt.
Der Konzertabend im Kaufleuten war ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, dass der Blues keineswegs verstaubt ist und die Wahl des Veranstaltungsorts hätte passender kaum sein können: Das intime Ambiente des Clubs schuf eine Atmosphäre, die dem authentischen Sound und der Intensität des Abends perfekt gerecht wurde.
Christone “Kingfish” Ingram zeigte mit seinem virtuosen Gitarrenspiel und seiner charismatischen Präsenz, dass dieses Genre nach wie vor alle Sinne anspricht.

