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Ronnie Wood – Ein Abend mit einer Rocklegende

Es sind diese Abende, an denen weniger das perfekte Konzert als vielmehr die Geschichte zählt, die auf der Bühne steht. Am Dienstagabend war im Zürcher Volkshaus genau eine solche Geschichte zu erleben: Ronnie Wood, seit mehr als fünf Jahrzehnten prägende Figur der Rolling Stones und zuvor Mitglied der Faces, gastierte mit seiner Band und Imelda May am Helvetiaplatz. Das Volkshaus war zwar nicht ganz ausverkauft, dennoch pilgerten an diesem sonnigen Spätsommerabend mehrere hundert Fans nach Zürich, um «Mr. Rolling Stone» aus ungewöhnlich kurzer Distanz zu erleben. Der offizielle Konzertkalender führte den Abend als «Ronnie Wood & His Band feat. Imelda May».

Und gerade diese Nähe machte einen wesentlichen Teil des Abends aus. Kein Stadion, keine riesigen Videowände und keine mehrere Meter entfernte Rock-Ikone: Im Volkshaus war Ronnie Wood tatsächlich greifbar. Ein Musiker, der mit seinen 79 Jahren nicht den Eindruck vermittelte, sein musikalisches Vermächtnis lediglich zu verwalten. Wood spielte. Er improvisierte. Er grinste. Er liess seine Gitarre sprechen.

Von Beginn an dominierte ein grooviger, kraftvoller und angenehm erdiger Rock-’n‘-Roll-Sound. Wood zeigte dabei jene Spielfreude, die ihn während seiner gesamten Karriere ausgezeichnet hat. An seiner Gibson Les Paul liess er Blues, Rock und Rhythm’n’Blues ineinanderfliessen, streute improvisierte Soli ein und verwandelte einzelne Passagen beinahe beiläufig in kleine Jam-Sessions.

Gerade darin liegt der Reiz eines Ronnie-Wood-Konzerts. Hier wird nicht jeder Ton klinisch reproduziert. Songs dürfen atmen, Gitarrenlinien dürfen sich entwickeln und ein Solo darf dort enden, wo der Musiker es in diesem Augenblick gerade fühlt. Es ist diese Form von musikalischer Spontaneität, die in einer Zeit perfekt durchgetakteter Grossproduktionen beinahe schon nostalgisch wirkt.

Passend eröffnete Wood den Abend mit «It’s Only Rock ’n‘ Roll (But I Like It)». Es folgten unter anderem «Am I Grooving You» und «Take It Easy», bevor mit «Flying» erstmals tief in seine Faces-Vergangenheit eingetaucht wurde. Auch Rolling-Stones-Stücke wie «Hey Negrita» und später «Honky Tonk Women» und «Can’t You Hear Me Knocking» fanden ihren Platz im Set.

Nach den ersten Songs holte Wood die irische Musikerin und Sängerin Imelda May an seine Seite. Und spätestens hier erhielt der Abend eine weitere Dimension. May besitzt jene seltene Kombination aus enormer Range, Kraft und Dynamik, ohne dabei ihre Natürlichkeit zu verlieren. Sie kann beinahe flüstern, im nächsten Moment einen Song regelrecht aufreissen und sich dennoch jederzeit gegen eine komplette Rockband durchsetzen. Gemeinsam mit Woods Gitarrenspiel entstand dadurch ein faszinierender Kontrast zwischen rauem Blues-Rock und einer Stimme, die gleichermassen Soul, Rockabilly und Rhythm’n’Blues in sich trägt. Besonders eindrücklich geriet ihre gemeinsame Interpretation von The Shangri-Las‘ «Remember (Walking in the Sand)».

Später wurde aus dem Duett ein Trio: Gemeinsam mit der US-amerikanischen Sängerin Chanel Haynes interpretierten Wood und May «River Deep – Mountain High», jenen Klassiker, der durch Ike & Tina Turner unsterblich wurde.

Überhaupt war dieses Konzert weniger als klassische Solo-Show angelegt, sondern vielmehr als musikalische Reise durch jene Welt, aus der Ronnie Wood stammt.

Bob Dylans «Seven Days» stand ebenso auf dem Programm wie Willie Dixons «Spoonful», Jimmy Reeds «Baby What You Want Me to Do» oder Aretha Franklins «Chain of Fools». Dazu kamen Songs aus Woods eigener Karriere und selbstverständlich Erinnerungen an die Faces. Mit «Ooh La La» wurde eines jener Stücke gespielt, das untrennbar mit dieser Ära verbunden ist; «Flying» war bereits früher am Abend zu hören. 

Diese Mischung wirkte keineswegs wie eine zufällig zusammengestellte Coversammlung. Vielmehr erzählte sie, woher Woods musikalische DNA stammt: Blues, Soul, früher Rock ’n‘ Roll, Bob Dylan, die Faces und schliesslich natürlich jene Band, deren Gitarrensound er seit 1975 entscheidend mitprägt.

Vielleicht lässt sich dieser Abend deshalb am besten mit einem Gedanken zusammenfassen: Man besucht kein Ronnie-Wood Konzert – man zelebriert gemeinsam mit einer Legende einen Abend Rockgeschichte. Man hört bekannte Songs, schwelgt für einige Minuten in längst vergangenen Jahrzehnten und begegnet Erinnerungen, die plötzlich wieder präsent werden. Ein Gitarrenriff reicht aus, eine Melodie, manchmal nur wenige Takte. Musik funktioniert an solchen Abenden wie eine Zeitmaschine.

Ronnie Wood muss niemandem mehr etwas beweisen. Und genau diese Freiheit war im Volkshaus zu spüren. Er steht nicht auf der Bühne, um einer Legende möglichst perfekt gerecht zu werden. Er steht dort, weil er offensichtlich noch immer leidenschaftlich gerne Gitarre spielt.

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