Ein bisschen Elvis Presley, eine Spur Jim Morrison – soviel zu seinem visuellem Wirken – dazu Punk, Glam, britische Exzentrik und eine gehörige Portion Generation Z: Dominic Harrison, besser bekannt als Yungblud, gehört derzeit zu den spannendsten Persönlichkeiten der internationalen Rockszene.
Der 29-jährige Brite aus Doncaster wirkt wie ein Musiker, der sich aus verschiedenen Jahrzehnten der Rockgeschichte bedient, ohne dabei zur Kopie seiner grossen Vorbilder zu werden. Schwarze Haare, Leder, auffällige Outfits, nackter Oberkörper und diese leicht verruchte Rockstar-Aura erinnern optisch durchaus an Elvis oder Morrison.
Hinter der Inszenierung steckt jedoch ein erstaunlich offener und nahbarer Mensch. Yungblud spricht über Unsicherheiten, Ängste und persönliche Krisen ebenso unverkrampft wie über Erfolg, Liebe oder das Leben auf Tournee. Gerade diese Offenheit macht ihn für eine junge Generation glaubwürdig.
Auch das klassische Klischee des selbstzerstörerischen Rockstars scheint für ihn immer weniger zu gelten. Drogen seien nach eigener Aussage nie wirklich sein Ding gewesen, seinen Alkoholkonsum hat er deutlich reduziert. Statt den alten Mythos von «Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll» einfach nachzuspielen, zeigt Yungblud, dass man feiern, Spass haben und auf einer Bühne völlig eskalieren kann, ohne sich dabei selbst zerstören zu müssen.
Musikalisch ist Harrison längst weit über die Grenzen einer jugendlichen Alternative- oder Pop-Punk-Szene hinausgewachsen. Sein 2025 veröffentlichtes Album «Idols» wurde sein drittes Nummer-eins-Album in Grossbritannien. Songs wie das emotionale «Zombie» zeigen dabei eine andere Seite des sonst so explosiven Musikers: verletzlich, gross, melodisch und unmittelbar.
Den endgültigen Schritt ins Bewusstsein eines wesentlich breiteren Rockpublikums machte Yungblud im Sommer 2025. Beim monumentalen Abschiedskonzert «Back to the Beginning» von Ozzy Osbourne und Black Sabbath in Birmingham stand er zwischen einigen der grössten Namen der Rock- und Metalgeschichte auf der Bühne – und lieferte mit seiner bewegenden Interpretation von Black Sabbaths «Changes» einen der emotionalsten Momente des gesamten Abends. Selbst viele Zuschauer, die mit Yungblud bis dahin wenig anfangen konnten, wurden auf den jungen Briten aufmerksam.
Dieser Auftritt hatte für ihn eine besondere Bedeutung. Ozzy Osbourne war nicht einfach eines seiner musikalischen Idole. Zwischen den beiden entwickelte sich seit ihrem Kennenlernen 2022 eine enge Freundschaft und eine Art Mentorenbeziehung. Osbourne bestärkte Harrison darin, seinen eigenen Weg weiterzugehen und sich nicht danach zu richten, ob andere Menschen ihn verstehen oder akzeptieren. Yungblud bezeichnete Ozzy später nicht nur als seinen Helden, sondern als Teil seiner Familie.
Heute spielt Yungblud längst ausverkaufte Shows rund um den Globus. Allein seine Nordamerika-Tournee 2026 setzte mehr als 140’000 Tickets ab; Shows unter anderem in der Radio City Music Hall, im Greek Theatre und im Red Rocks Amphitheatre waren ausverkauft. Damit hat sich der einstige Provokateur endgültig zum internationalen Rock-Headliner seiner Generation entwickelt.
Vielleicht liegt genau darin sein Erfolgsrezept: Yungblud versucht nicht, der nächste Ozzy Osbourne, Jim Morrison oder Elvis Presley zu sein. Er nimmt etwas von ihrer Rebellion, ihrer Bühnenpräsenz und ihrer kompromisslosen Individualität mit – übersetzt diese Haltung aber in seine eigene Generation.
Laut, emotional, manchmal chaotisch, gelegentlich verletzlich – und vor allem erstaunlich authentisch.
Titelbild: Tom Pallant (Pressebild)

